Umbau Hochstudhaus zu Musikerhaus, Künstlerhaus Boswil
Umbau Hochstudhaus zu Musikerhaus, Künstlerhaus Boswil
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EINREICHUNG Nr. 498
Das unter Denkmalschutz stehende Hochstudhaus wurde für das Künstlerhaus Boswil zum Musikerhaus umgebaut. Die im Kern vorgefundenen Hochstudpfosten wurden – nach dem Entfernen der späteren Einbauten – als eindrückliche archaische Tragstruktur unter dem riesigen Dach über die ganze Höhe freigespielt und erlebbar gemacht. Eine dazwischen eingebaute offene Treppe dient neu als zentrale Erschliessung und Foyer. Durch ein vorgefundenes Dachfenster fällt ein über den Tag wandernden Sonnenfleck in die Halle.
Im hohen Dachraum wurden die Proberäume angeordnet, welche so über die Giebelfassaden belichtet werden können. Die schönen alten Kammern des Wohntraktes im Erdgeschoss werden als Büro und im 1. Obergeschoss als Gästezimmer genutzt.
Vorgefundenes wurde genutzt, wo es möglich war und symbiotisch ergänzt, wo es nötig war. Der Charakter von einem einfachen Holzhaus bleibt bestehen, gleichzeitig wurde mit neuen Blickachsen quer durch das Haus eine neue Offenheit und Grosszügigkeit geschaffen.
Texte Davos Kriterien (Selbstevaluation)
Gouvernanz
Am Anfang stand eine intensive Diskussion unter den Mitgliedern der Stiftung Künstlerhaus Boswil, wie dieses am sensiblen Ort erweitert werden kann. Daraus folgte der Entschied, das zum Ensemble gehörende Hochstudhaus umzubauen. Die Projektauswahl erfolgte über einen Studienwettbewerb mit allen EntscheidungsträgernInnen in der Jury, wodurch eine breite Abstützung des Siegerprojekts erreicht wurde. Und damit auch die Basis gelegt wurde für die private und öffentliche Finanzierung.
Funktionalität
Die Nutzungen wurden dort angeordnet, wo sie am besten die bestehende Struktur passen und das Raumprogramm in enger Abstimmung mit dem Bauherrn entsprechend justiert. Durch punktuelles leichtes anheben bzw. Absenken des Bodens konnte überall genügend Raumhöhe und Konstruktionsstärke geschaffen werden, so dass im historischen Haus auch der Schallschutz und dank einem objektspezifischen Brandschutzkonzept die Brandschutzanforderungen erfüllt werden konnten.
Umwelt
Unsere Haltung war: Vorgefundenes nutzen, wo es möglich war und symbiotisch ergänzen, wo es nötig war. So konnte sehr viel Substanz erhalten werden. Das ausgebaute Material wurde auf seine Wiederverwertbarkeit geprüft. So konnten alle alten, teils imposant breiten Bretter wieder eingebaut werden, ebenso die handgefertigten Dachziegel. Der Fussabdruck vom Gebäude wurde nicht vergrössert und wo immer möglich wurde mit Holz gearbeitet und damit CO2 im Gebäude gespeichert.
Wirtschaft
Entsprechend dem Qualitätsanspruch als Kulturinstitution war das Ziel, dass das neue Musikerhaus diese Wertigkeit zum Ausdruck bringt, und durch seine Attraktivität hochkarätige KünstlerInnen und Gäste anlockt. Erreicht wurde dies unter anderem durch den Einsatz von hochwertigem Material, z. B. dem lokal gewachsenen, sehr harten Hagenbuchenholz.
In der Planung wurde eine effiziente Bewirtschaftung angestrebt, um die Betriebskosten tief zu halten.
Vielfalt
Die Halle mit der Treppe zwischen den Hochstudpfosten dient nicht nur als Erschliessung, sondern mit ihren Nischen und Blickbezügen auch als attraktiver Ort für informelle Treffen und fördert den Kontakt zwischen allen Nutzern.
Das Raumprogramm mit Proberäumen und Zimmern zum Übernachten für die Musiker unter einem Dach ermöglicht eine freie Nutzung und dank dem Familienzimmer können MusikerInnen sogar ihre Kinder mitbringen.
Kontext
Das Künstlerhaus Boswil ist seit den 60er-Jahren ein legendärer Ort der Kultur und des Austausches. Die einzigartige Atmosphäre der auf dem ehemaligen Kirchenhügel gelegenen denkmalgeschützten Bauten galt es zu erweitern. Natürlich war das alte, niedrige Holzhaus technisch wenig geeignet für ein Musikerhaus, dank enger Zusammenarbeit mit den Fachplanern gelang es aber die Atmosphäre zu erhalten und doch alle Anforderungen zu erfüllen.
Genius Loci
Zu Beginn haben wir eine akribische Bestandesaufnahme gemacht, um den Bau, seine Konstruktion und Teile kennen zu lernen. So konnten wir spezifisches erlebbar machen mit wertigem Massiv-Holz ergänzen: Fichte für die Tragstruktur, traditionelle Tanne für den Innenausbau, die harte Hagenbuche für die Möbel und die Böden der Proberäume. Das alte rauchgeschwärzte Holz wurde nur gewaschen, die abgewetzten Bodendielen gehobelt und wieder eingebaut. Je dunkler das Holz, desto älter ist es.
Schönheit
Das Haus war als Bauernhaus sehr archaisch gebaut. Wir haben es genauso einfach ergänzt, z. B. wie vorgefunden die neuen Sparren im Vordach mit Pföstli auf die alten abgestellt, oder die höher gesetzten Decken mit einem Holzklotz unterstellt. Ein Musiker hat den Umbau gelobt in seinen Worten: «Es gefällt ihm, dass wir das historische bewahrt und die Offenheit vom ‘Bauhaus’ hineingebracht hätten. Und sowieso hätte er dank seinem Instrument eine besondere Beziehung zu Holz».
Eigenschaften
Ort
Boswil, Aargau
Baukategorie (SIA 102)
Kultur und Geselligkeit
Art der Aufgabe
Umbau
Art des Verfahrens
Wettbewerb
Beschaffungsform
Einladungsverfahren
Baukosten in CHF (SIA 416)
5.3 Mio. (BKP 1-9)
Geschossfläche in m² (SIA 416)
956
Planung
2014 → 2020
Fertigstellung
2021 → 2021
Inbetriebnahme
2021
Projektbeteiligte
Architektur
Bauherrschaft
Bauingenieurwesen
Bauingenieurwesen
Landschaftsarchitektur
Jane Bihr – de Salis Landschaftsarchitektin BSLA, Kallern
HLKS-Planung
Baumanagement
Bauphysik
Denkmalpflege
Elektroplanung
Suprotech AG, Muri
Lichtplanung